Mein Blog #4

Langeland. Rückkehr an den Ort meiner Kinderferien.

40 Jahre nach der letzten Reise mit meiner Familie, als Zehnjährige, bin ich an den Ort zahlreicher Dänemark-Urlaube mit meiner Mutter und meinen eigenen Kindern, die mittlerweile 11 und 13 Jahre alt sind, zurückgekehrt. Einen langen und erlebnisreichen Tag konnte meine Schwester auf der Durchreise mit uns gemeinsam verbringen, und so konnten wir gemeinsam Orte, Gerüche, Wege, Türschwellen, Hafenbecken und Stege wieder entdecken. Und das war auf viele Arten erstaunlich. 

Wir Schwestern hatten beide, bevor wir an diesen zauberhaften Ort zurückkehrten, wenig aktive Erinnerungen. Dafür viele warme Momente und kleine Geschichten in unseren Herzen und Köpfen, von denen man nie weiß, ob man sie wirklich selbst erinnert, oder ob sie sich vom Wiedererzählen, ins eigene Gehirn gebrannt haben. Die hätte ich jederzeit abrufen können, und sie haben mich an diesen Ort zurückgebracht. Die Idee, noch einmal nach Langeland zu reisen, wuchs in mir schon länger. Dass ich sie wirklich in die Tat umgesetzt habe – und das mit meiner Familie um mich – grenzt an ein kleines Wunder. Denn wie oft sagen wir alle: Man müsste mal! Ach, wär das schön! Und dann bleibt es dabei, bei diesem ehrlichen Wunsch. In diesem Jahr habe ich genau das einfach gemacht, und alle sind mitgekommen – gut, meine Kinder hatten nicht wirklich eine Wahl, aber meine Mama und meine Schwester hätten schon Nein sagen können…

Und was mein Körper und auch der meiner Schwester parallel an Erinnerungen hervorgeholt haben, an diesem gemeinsamen Tag und auch noch an den weiteren Tagen ohne meine Schwester, war zutiefst berührend und sehr beeindruckend. Den Weg von unserem alten Ferienhaus zum Strand liefen wir wie automatisiert und völlig selbstverständlich. Als wir eine Mühle betraten, die einer befreundeten Familie gehört, jauchzen wir beide gleichzeitig auf: Die riecht wie früher! Und auch der Mühlstein an der Türschwelle war uns beiden so vertraut, als wären wir gerade gestern darüber gelaufen. Dass all diese Erinnerung in uns stecken und nur an diesem Ort wieder hervorgeholt werden konnten, war wohl eins der schönsten Urlaubserlebnisse, an die ich mich erinnere und sicherlich noch lange erinnern werde. Aus dem Hafen von Bagenkop, der früher ein Fischerhafen war, ist ein hübscher Yachthafen geworden. Die Fähre, mit der wir früher von Kiel nach Langeland übersetzten, gibt es schon viele Jahre nicht mehr. Das große, tiefe Becken, in dem sie anlegte, aber schon! Versteckt hinter idyllischen Ferienunterkünften, aber in meinem Herzen abgespeichert. Wir standen am ganz entgegengesetzten Ende des Hafens, und ich wusste intuitiv, wo wir vor 40 Jahren zuletzt angelegt haben. Verrückt, oder?

An einem der Tage ohne meine Schwester wurde mir klar, dass an genau diesem Ort, auf dieser kleinen Insel meine Leidenschaft für schöne Keramik ihren Ursprung hat. Denn wir haben völlig unerwartet das Keramikatelier von Ulla wiedergefunden. Aus jedem Urlaub bringe ich irgendeine kleine Keramik mit nach Hause: viele, viele Schüsseln, aber auch Tassen oder Vasen, Teller, kleine Erinnerungsstücke, immer suche ich an Urlaubsorten nach Keramik. Erst dort, in diesem kleinen Atelier auf Langeland im Gespräch mit Ulla, die dieses seit mehr als 50 Jahren führt, konnte ich diesen Satz formulieren. Hier hat all das seinen Ursprung.

Hätte ich all dies allein wiedererlebt, allein mit meinen Kindern und meiner Mutter, hätte ich wohl in vielen Momenten gezweifelt, ob mich meine Erinnerung nicht doch trügt. Da aber bei meiner Schwester die gleichen Erinnerungsfetzen und Gedanken wieder aktiviert wurden, konnten wir uns so sicher sein, dass wir das damals wirklich erlebt und erfahren haben. Diese tiefe Verbundenheit, das gemeinsam zu erkunden, zu erleben, zu erfahren, hat den neuen und alten Erlebnissen noch eine ganz besondere Tiefe hinzugefügt.

Zuguterletzt finde ich auch den Gedanken so tröstlich, dass vieles von dem, was meine Kinder in den ersten – sagen wir zehn Jahren – ihrer Leben erlebt haben, nicht verloren ist, weil sie sich gerade nicht aktiv daran erinnern. All das steckt in ihren Herzen, in ihren Köpfen, in ihren Körpern. Vielleicht kommen sie auch irgendwann an einen ähnlichen Punkt und kehren an Orte zurück, die sie als Kinder bereist haben, um solche Erinnerungen wieder hervorzuholen, vielleicht auch nicht. Aber trotzdem mag ich den Gedanken, dass wir unseren Kindern so vieles mit auf den Weg geben, säen, pflanzen und sie vorbereiten können für vieles, was diese jungen Menschen auf ihrem Weg noch erleben werden.

Wow! Dieser kleine Text ist jetzt doch um einiges pathetischer geworden, als ich geplant hatte. Vielleicht ist aber genau das der richtige Ton für diese sehr besondere Urlaubserfahrung. Der richtige Ton, um mir selbst (und vielleicht auch anderen) dann und wann mal den entscheidenden Schubs zu geben, gute Ideen und Wünsche einfach mal umzusetzen. 

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